Immer wieder ist zu hören: „Wertgebühren berechnet man nicht, die kann man doch nachschlagen. Stimmt! Aber dann muss man halt auch nachschlagen, statt Excel die Berechnung zu überlassen und sich selbst statt dessen den viel spannenderen Rechtsfragen der Gebührenberechnung zu widmen. Ich halte das für außerordentlich bedauerlich, weil mit einigen wenigen benutzerdefinierten Funktionen, die aus dem Gegenstandswert die Gebühren nach dem RVG und dem GKG errechnen, vieles einfacher und eleganter gehen könnte. Und zwar ganz ohne großes Hexenwerk.
Die Rechenformeln stehen im Gesetz
Ja, ganz richtig gehört. Es geht darum in Excel Funktionen anzubieten, denen als Parameter jeweils der Streitwertbetrag übergeben wird und die als Ergebnis den Betrag der einfachen RVG-Gebühr, der PKH-Gebühr oder der Gebühr nach dem GKG zurückgeben. Etwa so:

Natürlich gehören die Funktion „rvg()“ noch nicht zum Standard-Repertoire von Excel. Und auch nicht die Funktionen pkh() oder gkg(). Aber das lässt sich mit der Definition benutzerdefinierter Funktionen schnell ändern. Alles was man dazu braucht sind die Rechenformeln und etwas Wissen über benutzerdefinierte Funktionen.
Die Rechenformeln zur Berechnung der jeweiligen Wertgebühren stehen in §§ 13 und 49 RVG und in § 34 GKG. Darüber müssen wird uns also schon mal keine größeren Gedanken machen.
Benutzerdefinierte Funktion in Excel erstellen
Excel verfügt über mehrere hundert Funktionen für ganz unterschiedliche Einsatzzwecke. Um diese soll es hier aber nicht gehen. Funktionen zur Berechnung von Gebühren nach RVG und GKG sind nämlich im Standard-Repertoire von Excel nicht vorgesehen. Das ist auch gar kein Problem. Denn Excel ermöglicht die Erweiterung des Funktionenkatalogs um benutzerdefinierte Funktionen. Wie das funktioniert, werde ich nachfolgend erläutern.
Die Definition einer benutzerdefinierten Funktion erfolgt in VBA. Was das ist? VBA steht für Visual Basic for Applications, eine objektorientierte Programmiersprache, die zum Bordwerkzeug von Excel, Word und weiteren Mitgliedern der Office-Familie gehört. Zugang zu VBA erhalten wir sowohl in Excel wie auch in Word über die Registerkarte „Entwicklertools“, die man in der Standardinstallation nicht zu sehen bekommt, die man aber sehr einfach in das Menüband integrieren kann. Wie das funktioniert, habe ich in meinem Beitrag „Tür auf für Entwickler“ erläutert.
Die benutzerdefinierte Funktion braucht einen Speicherort. Dafür bietet sich eine „Excel Arbeitsmappe mit Makros“ oder eine „Excel Vorlage mit Makros“ an. Zur Vorbereitung der Entwicklung unserer benutzerdefinierten Definitionen rvg(), pkh() und gkg() ist es daher erforderlich, Excel zu starten und die standardmäßig erzeugte leere Arbeitsmappe über den Dialog „Datei Speichern unter“ mit einem selbsterklärenden Namen (vielleicht „MeineFunktionen“) versehen als einer der beiden oben genannten Dateitypen abzuspeichern. Bei einer Entscheidung für den Dateityp „Excel Vorlage mit Makros“ sollte die Speicherung in dem Standardverzeichnis für Ihre Excel-Vorlagen erfolgen.
Wohin mit dem Code für die Funktionen
Nach Abschluss all dieser Vorarbeiten kann jetzt mit dem eigentlichen Definieren der Funktionen begonnen werden. Aber keine Bange, keiner muss hier selbst programmieren. Den fertigen Code stelle ich zur Verfügung. Nur wohin damit? Dazu einfach der nachfolgenden Anleitung folgen:
- Erst einmal wird die Registerkarte „Entwicklertools“ ausgewählt und dort in der Gruppe „Code“ die Schaltfläche „Visual Basic“ geklickt. Es öffnet sich der VBA-Editor, der ungefähr so aussieht wie auf dem Screenshot 1
- Im nächsten Schritt muss ein neues Modul angelegt werden. Dazu in der Symbolleiste in der Auswahl gleich rechts neben dem Excel-Icon die Option „Modul“ auswählen (Screenshot 2). Dieses Modul erscheint jetzt auch im Projekt-Explorer (Das ist das Fenster links oben.). Gleichzeitig öffnet sich auf der rechten Seite das Code-Fenster. Hier kommt der Code der Funktionen rvg(), pkh() und gkg() hin.
- Den Code der Funktionen findet man im Anhang zu diesem Beitrag.
- Also: Code kopieren und im Code-Fenster einfügen (Screenshot 3).
- Datei Speichern durch Klicken auf das Disketten-Icon, zurück zur Arbeitsmappe (Klicken auf das Excel-Icon bzw. den Eintrag auf der Taskleiste oder durch den Befehl „Schließen und zurück zu Microsoft Excel“ im Datei-Menü) und schon kann es los gehen.
Screenshot 1

Screenshot 2

Screenshot 3

Der Einsatz der Funktionen
Der Einsatz der benutzerdefinierten Funktionen ist denkbar einfach und soll hier beispielhaft an der Funktion rvg() erläutert werden. Man setzt die Funktion mit dem führenden Gleichheitszeichen in die Zelle, wo das Funktionsergebnis am Ende stehen soll und übergibt ihr den Höhe des Streitwerts entweder als festen Wert oder als Bezug auf eine andere Zelle.
=rvg(2500)
=rvg (A2)
Als Ergebnis wird der einfache Wert ausgegeben. Natürlich kann damit ganz normal weiter gerechnet werden. Wird etwa die 1,3-fache Gebühr benötigt, dann lautet die Formel:
=rvg(2500)*1,3
=rvg(A2)*1,3
Damit lässt sich die Funktion sehr rasch und einfach nachvollziehbar in die komplexesten Berechnungen einbeziehen. Dabei denke ich vor allen an die Kosten- und Gebührenfestsetzung und den Kostenausgleich. Aber beispielsweise auch bei der Berechnung nach § 115 Abs. 4 ZPO kann ich mir den Einsatz der Funktionen vorstellen. Natürlich neben anderen benutzerdefinierten Funktionen, mit denen wir uns später noch befassen werden. Auf Ihr Feedback freue ich mich.
Anhang
Den Code für die Kostenfunktionen findet man hier. Wer gleich die komplette Arbeitsmappe mit dem Code herunterladen will, wird hier fündig.
Und wieder mal geht’s bergauf
Seit ein paar Tagen ist der Referenten-Entwurf des BMJV für ein Kostenrechtsänderungsgesetz 2021 (KostRÄG 2021) auf dem Markt. Ich werde mich alsbald daran machen, die neuen Kostenformeln in Excel anzulegen, damit jedermann sich ein Bild machen kann, wie die geplanten Änderungen sich auswirken werden.
Um es vorweg zu nehmen, die neuen Formeln zeigen, dass der Entwurf auch bei den Gebühren hält, was er verspricht: Es gibt einen Aufschlag im Umfang von 10 Prozent. Wer sich das schon heute einmal ansehen will, kann sich die Arbeitsmappe mit den neuen benutzerdefinierten Funktionen rvgneu(), pkhneu() und gkgneu() hier herunterladen. Wie immer freue ich mich auf Ihr feedback.